Windkraft-FAQ

FAQ

Fragen zur Windkraft (Quelle: IG Windkraft)

 

Können Schattenwurf und Spiegelungen die Anrainer irritieren und stören?

Jedes Haus und jeder Baum wirft einen Schatten, der im Tagesverlauf wandert. Wolken werfen sich schnellbewegende Schatten. Bei Windrädern wirft der sich drehende Rotor regelmäßig wiederkehrende Schatten – allerdings nur, wenn die Sonne scheint. Im Genehmigungsverfahren wird darauf geachtet, dass der Schatten eines Windrades umliegende Wohngebiete nur minimal überstreicht. Früher war auch der sogenannte „Disco-Effekt" – ausgelöst durch Sonnenlicht, das sich an den Rotoren widerspiegelte – ein Problem. Doch den gibt es nicht mehr, seitdem Windräder mit nicht-reflektierenden Farben gestrichen werden.

 

Sind Windräder gefährlich, weil Eisbrocken herunterfallen können?

Moderne Anlagen sind mit einer elektronischen Sensorik ausgestattet, die eine Vereisung erkennt und daraufhin die Anlage abschaltet. Wenn sich Eis an den Windrädern ansetzt, handelt es sich hauptsächlich um Raueis. Lediglich bei einer Vereisung durch Eisregen kann es zu kompakterem Eisansatz kommen und Eis von den abgestellten Anlagen herunterfallen. Hinweisschilder machen im Gefährdungsbereich in unmittelbarer Nähe der Anlagen auf die mögliche Gefahr von Eisabfall aufmerksam. Möglicherweise herabfallende Eisbrocken stellen aber kein höheres Risiko dar als sonstige gesellschaftlich anerkannte Risiken des Alltagslebens (wie etwa Arbeits- oder Autounfälle). In Österreich stehen derzeit über 600 Windkraftanlagen. Alle werden regelmäßig von erfahrenen Service- Technikern gewartet; die meisten Anlagen werden zusätzlich elektronisch überwacht. Gegebenenfalls können die Anlagen auch kontrolliert abgetaut werden. Auf diese Weise können auftretende Beschädigungen und Gefahrenquellen rechtzeitig entdeckt und entschärft werden.

 

Wozu brauchen wir Windkraftanlagen, wenn wir ohnehin zum Großteil Wasserkraft nutzen?

Über ein Jahr gesehen fällt der höchste Stromverbrauch im Winter an, also in einer Zeit, in der die Wasserkraft auf ein Minimum absinkt. Mehr als die Hälfte des Stroms kommt dann aus Wärmekraftwerken, die mit Kohle, Öl oder Gas befeuert werden, oder aus ausländischen Atomkraftwerken. Aber: Zwei Drittel des Stroms aus Windkraft werden im Winterhalbjahr erzeugt; damit ist Windstrom die ideale Ergänzung zur Wasserkraft. Mit Stromsparmaßnahmen und einem gezielten Ausbau der erneuerbaren Energien könnte Österreich seine gesamte Stromerzeugung vollständig in ein nachhaltiges System umbauen und auf fossile Energieträger verzichten.

 

Haben wir in Österreich überhaupt genug Wind, um Windkraftanlagen sinnvoll zu betreiben?

Das Windpotenzial im niederösterreichischen Weinviertel, im Burgenland und in den Alpen ist mit Standorten nahe der norddeutschen Küste vergleichbar – und das sind Standorte, die exzellente Windverhältnisse aufweisen. Im Schnitt ist die Windsituation in Österreich sogar noch besser als in Deutschland. Dazu muss man wissen: Deutschland ist DAS Pionierland für Windkraft schlechthin und hat in den letzten Jahren maßgeblich zum weltweiten Windkraft-Boom beigetragen.

 

Was leistet so ein Windrad, wieviel Strom erzeugt es?

Eine Windkraftanlage mit einer Leistung von zwei Megawatt erzeugt pro Jahr rund vier Millionen Kilowattstunden Strom. Das entspricht dem Verbrauch von mehr als 1.250 Haushalten oder 4.000 Personen. Das heißt, ein einziges modernes Windrad (mit einer Leistung von zwei und mehr MW) ist in der Lage, ein kleines Dorf zu versorgen.

 

Ist Windstrom nicht sehr teuer?

Die Kosten für die Stromerzeugung werden sehr unterschiedlich berechnet. Für eine Kilowattstunde Windstrom aus einer Neuanlage erhält ein Windkraft-Betreiber in Österreich derzeit 9,7 Cent. In diesem Preis ist aber auch schon der vollständige Abbau der Anlage am Ende ihrer Laufzeit inbegriffen (Stichwort Wiederherstellung der „grünen Wiese“). Darüber hinaus gibt es bei der Stromerzeugung aus Windkraft weder Abgase, noch Abfälle, noch Abwässer. Es fallen daher auch keine zusätzlichen Kosten für die Beseitigung des Produktionsmülls an, wie das bei herkömmlichen Kraftwerken der Fall ist.

 

Aber ist konventionell erzeugter Strom nicht billiger?

Der allgemeine Strom-Mix an den internationalen Strombörsen, der zu einem hohen Anteil aus konventionellen Gas-, Kohle- und Atomkraftwerken stammt, kostete vor der Krise, also im Herbst 2008, bereits 8,5 Cent pro Kilowattstunde; derzeit sind es rund 5,1 Cent. Doch diese Strompreise sind extrem verzerrt. Würden Kohlekraftwerke ihre CO2-Emissionen voll einrechnen müssen, wäre ihr Strom wesentlich teurer. Wussten Sie übrigens, dass ein Atomkraftwerk KEINE Haftpflichtversicherung abschließen muss? Warum? Die Antwort klingt paradox und erschreckend: Weil das Risiko für die Versicherung und somit auch der Preis derart hoch sind, dass sich kein Betreiber eine leisten könnte. Aber braucht die Windenergie nicht hohe Subventionen? Tatsache ist, dass vor allem Kohle- und Gaskraftwerke vom Staat subventioniert werden, da sie für die von ihnen durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachten Schäden nicht aufkommen müssen. Sogar für die nicht erwünschte Atomindustrie gibt Österreich als Mitglied der Europäischen Atomgemeinschaft EURATOM Unsummen an Steuergeldern aus: 2008 waren es immerhin 40 Millionen Euro. Diese extreme Ungleichbehandlung verhindert einen fairen Wettbewerb der Energien zur Stromerzeugung. Würden alle diese Subventionen gestrichen, wäre die Windenergie schon heute neben der Wasserkraft die günstigste Stromquelle.

 

Verteuert die Windenergie den Strompreis?

Um neue umweltfreundliche und schadstofffreie Formen der Energieerzeugung zu fördern, werden für Strom aus erneuerbaren Energien fixe Einspeisetarife gezahlt. Auf Ihrer Stromrechnung finden Sie dafür eine Position „Mehraufwand“. Für einen durchschnittlichen österreichischen Haushalt beträgt dieser „Mehraufwand“ durch Ökostrom rund 30 Euro im Jahr. Der Windstrom selbst macht davon allerdings nur ca. vier Euro pro Jahr aus. Zum Vergleich: Durch den Austausch von nur einer einzigen Glühbirne gegen eine Energiesparlampe spart man in einem Jahr zehn Euro.

Können Windkraftanlagen konventionelle Kraftwerke einsparen?

Natürlich kann ein Elektrizitätssystem nicht zu 100 Prozent aus Windkraftanlagen bestehen. Man muss Windkraft im Zusammenspiel mit allen anderen erneuerbaren Energien (Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik) sehen, die sich gegenseitig ergänzen. Bisher war man gewohnt, mit wenigen Großkraftwerken Strom zu erzeugen. In Zukunft werden viele kleine Einheiten die Gesamtmenge an benötigtem Strom bereitstellen.

Sind Windräder nicht ziemlich laut?

Moderne Windenergieanlagen sind relativ leise. Dank der technologischen Entwicklung laufen vernünftig konstruierte und richtig platzierte Anlagen so ruhig, dass sie für Menschen, die ein paar hundert Meter entfernt wohnen, kaum noch zu hören sind. In dieser Entfernung wird jedes Geräusch des Windrades normalerweise von den natürlichen Geräuschen des Windes, zum Beispiel in den Bäumen, übertönt. Außerdem werden Windkraftanlagen ohnehin nicht in unmittelbarer Nähe von Siedlungen genehmigt.

Leiser als die normale Umgebung
Die Auflagen im Genehmigungsverfahren für ein Windkraftprojekt sind so streng, dass nur jene Windkraftanlagen errichtet werden dürfen, die für die Anrainer praktisch unhörbar sind. Zum Vergleich: In 500 Metern Entfernung ist das Geräusch, das ein Windrad verursacht, ungefähr so laut zu hören wie ein angeregtes Gespräch. Fazit: Bei ausreichenden Abständen zur Wohnbebauung geht von Windkraftanlagen keine Lärmbelästigung aus.

Ist der Infraschall von Windrädern für Menschen gefährlich?

Infraschall ist jener Teilbereich des Schallspektrums, in dem sehr niedrige Frequenzen so tiefe Töne erzeugen, dass diese unterhalb des menschlichen Hörbereichs liegen (unter 16 Hertz). Es gibt natürliche Infraschallquellen wie Windströmungen, Gewitter oder eine Meeresbrandung, aber auch eine Vielzahl technischer Infraschallquellen wie Heizungs- und Klimaanlagen, Kompressoren oder Verkehrsmittel. Langjährige Untersuchungen haben gezeigt: Für Infraschall unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle (unter 16 Hz und weniger als 130 dB) konnten keinerlei negative Auswirkungen für den menschlichen Organismus nachgewiesen werden. Der von Windkraftanlagen erzeugte Infraschall erreicht selbst im Nahbereich bei weitem nicht diese Werte und ist somit völlig harmlos.

Werden Vögel durch Windkraftanlagen behindert oder gar getötet?

Die Erfahrungen aus zahlreichen Untersuchungen zeigen, dass in den meisten Fällen ein Windpark ohne erhebliche Folgen für Vögel (und auch Fledermäuse) umgesetzt werden kann. Nur wenige Vogelarten zeigen ein ausgeprägtes Meideverhalten. Das von Windkraftgegnern oft angeführte Argument des Vogelschlags (Kollisionen von Vögeln mit Windrädern) konnte großteils durch Untersuchungen widerlegt werden. Das Kollisionsrisiko ist so gering, dass eine Gefährdung von Vogelpopulationen in den meisten Fällen ausgeschlossen werden kann. Bei der richtigen Standortwahl gibt es auch bei schlechter Sicht keine Massenanflüge mit angeblich Hunderten von Schlagopfern und mögliche negative Effekte auf Brut- und Rastbestände sind vernachlässigbar.

Sorgsame Standortwahl
Ein erhöhtes Konfliktpotenzial gibt es bei wichtigen Korridoren und Rastplätzen für bestimmte Zugvogelarten. Aber durch eine sorgsame und gezielte Standortplanung lassen sich etwaige Auswirkungen von Windrädern auf die Lebensräume und Durchzugsgebiete von Vögeln vermeiden oder wenigstens minimieren.

Vogelkundliche Untersuchung
Um möglichen Problemen im Zusammenhang mit dem Vogel- und Fledermausschutz vorzubeugen, werden im Bedarfsfall bei neuen Windkraftprojekten vogel- und fledermauskundliche Untersuchungen durchgeführt. Nur wenn diese positiv ausfallen, wird die naturschutzrechtliche Bewilligung erteilt. Werden das Wild oder Nutztiere von Windkraftanlagen gestört? Eine dreijährige Studie des Instituts für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (IWFo) belegt, dass keine negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vorkommen und Verhalten von Tieren wie Rehwild, Rotfuchs, Feldhase oder Rebhuhn festzustellen waren. Bei Wildtieren tritt meist nach kürzester Zeit ein Gewöhnungseffekt ein. Auch das Gros der Jäger sieht in den Windrädern keine gravierende Störquelle für jagdbares Niederwild.

Schnelle Anpassung
Nutztiere wie Pferde oder Kühe sind tagtäglich den unterschiedlichsten Reizen ausgesetzt. Sie passen sich neuen Gegebenheiten in der Regel recht schnell an. Verhaltensauffälligkeiten bei den Tieren durch den Betrieb von Windkraftanlagen in der Nähe von Koppeln, Weiden oder Ställen konnten bisher nicht beobachtet werden.

Was bringt eine Windkraftanlage der heimischen Wirtschaft?

Die Errichtung einer Windkraftanlage mit zwei Megawatt Leistung in Österreich bringt heimischen Firmen ein Auftragsvolumen von einer Million Euro. Während der 20-jährigen Lebensdauer kommen dann noch ca. zwei Millionen Euro für Wartung und Betrieb dazu. Insgesamt profitiert die österreichische Windkraft-Wirtschaft an jeder Windkraftanlage also mit ca. drei Millionen Euro. Das sind über 20 Jahre rund 50 Prozent der gesamten Projektkosten.

Arbeitsplätze
Rund 3.300 Menschen in Österreich haben einen Arbeitsplatz, der direkt mit der Produktion für die Windindustrie zu tun hat.

Bringt die Nutzung der Windkraft österreichischen Unternehmen sonst noch Vorteile?

Die Leitwind AG im Tiroler Telfs ist der einzige Hersteller von Windkraftanlagen in Österreich. Aber mehr als 100 österreichische Unternehmen sind als Lieferanten von Materialien und Komponenten für Windkraftanlagen am internationalen Markt tätig. Einige ausgewählte Beispiele: die steirische Elin Motoren GmbH liefert Generatoren für Windkraftanlagen in die ganze Welt; die oberösterreichische Hexcel Composites ist weltweit der führende Hersteller von Basismaterial für die riesigen Rotorblätter; die Klagenfurter Windtec GmbH entwickelt Anlagenkonzepte und ist weltweit der einzige Anbieter für komplette elektrische Systeme für Windkraftanlagen; die Vorarlberger Bachmann electronic GmbH ist Weltmarktführer für elektronische Steuerungen in Windkraftanlagen mit eigenen Niederlassungen in den Wachstumsmärkten China und USA. Diese österreichische Zulieferindustrie wächst kontinuierlich und weist eine äußerst positive Handelsbilanz auf: Jährlich werden Windkraftkomponenten im Wert von 450 Millionen Euro exportiert. Tendenz stark steigend.

 

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