Frischer Wind fürs Weltklima

26. November 2015

"Die Windenergie kann in den nächsten 15 Jahren Strom aus Kohle und Gas überholen und zu Europas größte Energiequelle werden",

betonte Giles Dickson, Geschäftsführer der European Wind Energy Association auf der alljährlichen internationalen Windkraftmesse EWEA in Paris. Diese wurde gezielt eine Woche vor der Weltklimakonferenz (vom 30.11. bis 11.12.) in Paris abgehalten, um zu zeigen, welch wichtigen Beitrag die Windkraft noch für das Weltklima leisten kann.

Trotz der Terroranschläge ein paar Tage vor der EWEA 2015 (16.11.- 20.11.) war die Messe bestens besucht. Die Hersteller präsentierten unter anderem neue Turbinen, die besonders auch bei geringeren Windgeschwindigkeiten weit höhere Erträge versprechen. Die Windkraft erzeugte in Europa im Vorjahr 284 Mrd. kWh Strom, was 10,2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs entspricht. Bis 2030 könnte die Windenergie schon 28 Prozent (941 Mrd. kWh) des gesamten europäischen Stromverbrauchs abdecken und so einen wichtigen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten. Die EU-Kommission hat sich im Vorfeld der Klimakonferenz klare Ziele gesetzt: Bis 2030 sollen die CO2- Emissionen um 40 Prozent reduziert werden und dazu der Anteil an erneuerbaren Energien (inkl. Heizen und Transport) auf 27 Prozent ansteigen. Im Stromsektor müssten dazu 50 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen.

Modellregion Niederösterreich und Burgenland

In einzelnen Regionen wie im Burgenland oder jüngst in Niederösterreich decken die erneuerbaren Energien schon 100 Prozent oder gar mehr des Strombedarfs ab. "2015 ist ein bedeutendes Jahr für die Umweltpolitik in Niederösterreich", betonte Niederösterreichs Umweltlandesrat Stephan Pernkopf jüngst auf einer Pressekonferenz. Denn damit ist Österreichs größtes Bundesland zu einer "Modellregion" für Europa geworden. Selbst die französische Zeitung Le Monde und der britische Guardian berichteten über diesen Meilenstein, zu dem neben der Großwasserkraft mit 59 Prozent die Windkraft schon 26 Prozent beiträgt. Im Burgenland erzeugen die Windräder mittlerweile schon weit mehr Strom als das Land verbraucht.

Windkraftindustrie in Österreich als Weltmarktführer

Obwohl es in Österreich selbst keinen großen Hersteller von Windkraftanlagen gibt, sind über 170 österreichische Unternehmen im Zuliefer- und Dienstleistungsbereich am Weltmarkt engagiert. Das Exportvolumen beträgt weit mehr als 660 Millionen Euro (nicht alle Unternehmen gaben bei der Umfrage der IG Windkraft ihre Geschäftszahlen bekannt). Darunter gibt es auch Weltmarktführer wie etwa das Unternehmen Bachmann electronic im Bereich von Anlagensteuerungen oder hochinnovative Start-ups wie ecologix, das mit neuen Sensoren genau zeigt, wenn Eisbefall auf einem Rotorblatt droht.

Wichtiger Industriezweig

In Österreich wurden in den letzten Jahren mehr als 2,2 Mrd. Euro in Windparks investiert. Anders als bei Öl oder Gas bleibt hier die Wertschöpfung im Land. "Die Windbranche in Österreich ist zu einem der wichtigsten Investitionszweige der gesamten Industrie herangewachsen", betont Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, der zugleich die schwankende Energiepolitik kritisiert. "Die Zukunft des Windenergieausbaus ist in Österreich nicht gesichert", kritisiert Moidl, "der europäische Strommarkt ist komplett aus den Fugen geraten, der CO2-Handel ist in sich zusammen gebrochen und die heimischen Kraftwerke sind durch exorbitante Ausgleichsenergiekosten und Netzgebühren zusätzlich benachteiligt. Dies hat auch Auswirkungen auf den zukünftigen Windkraftausbau." Die IG Windkraft fordert deshalb beim Ökostromgesetz dringende Anpassungen, da die unklaren Rahmenbedingungen die notwendigen langfristigen Investitionen in Windkraftanlagen stark behindern."Bis 2020 könnten weitere 2,5 Mrd. Euro investiert und dadurch 10.000 Personen beim Aufbau und Betrieb der Windräder beschäftigt werden", betont Moidl.